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Dieter Seitz | Virtual Landscapes

Die Serie Virtual Landscapes entstand als Teil eines dokumentarischen Langzeitprojekts zur Kultur Kasachstans. Bei seinen ersten fotografischen Recherchen im Land fand Dieter Seitz 2009 an zahllosen Orten jene Blechwände vor, die wie überall auf der Welt vor allem Baustellen absichern sollen.
In Kasachstan kommt ihnen ferner die Funktion zu, jüngst erlangten Privatbesitz zu schützen, Industriebrachen, Investitionsruinen und andere Unorte dem Blick der Öffentlichkeit zu entziehen.
Fünf Jahre später sind diese Blechwände besonders in der aufstrebenden neuen Hauptstadt Astana fast völlig verschwunden - hinter schneebedeckten Bergen und karger Steppe, hinter saftigen Wiesen und endlosen Birkenwäldern. In einem quasi verkehrten Potemkinschen Projekt wird die Naturkulisse zum Element einer Neuinszenierung des Urbanen.
Dieter Seitz dokumentiert, wie Fiktion und Wirklichkeit sich dabei verschränken. Zugleich aber treibt er deren Interaktion mit Mitteln der Fotografie weiter und macht sie in seinen Bildern zu einem Vexierspiel der Erscheinungsebenen.
Dieter Seitz wurde in Stuttgart geboren, hat in Schwäbisch Gmünd und an der UdK Berlin Industrial Design studiert und wurde in Bremen als Soziologe promoviert. Er fotografiert seit jungen Jahren, früher mit angewandtem, seit mehreren Jahren mit künstlerisch-dokumentarischem Schwerpunkt und lebt als freier Fotograf in Bonn

Johannes Marburg | Würzburger Zimmer


Das Staatliche Bauamt Würzburg hat Johannes Marburg beauftragt, die Mensa am Hubland der Universität Würzburg zu dokumentieren. Das Gebäude, 1978 von Alexander Freiherr von Branca errichtet, wird in den kommenden Jahren grundlegend saniert werden. Im Untergeschoss haben sich Angestellte des Hauses Aufenthaltsräume geschaffen, in dem sie in der schwer einzugrenzenden Anonymität Orte mit persönlichen Gegenständen als die ihrigen markiert haben. Damit sich diese Zonen der Individualität gegen die Unwirtlichkeit behaupten können, wird penibel Ordnung gehalten. Umgekehrt überhöht und isoliert die Umgebung die Zeichen, mit denen der persönliche Raum markiert und abgegrenzt wird; sie überzeichnet den Willen, sich einen Ort, der dafür nicht vorgesehen ist, zu eigen zu machen. Hier wird wie unter einem Brennglas deutlich, dass jedermann einen Raum benötigt, den er als den seinigen deuten kann – und sei er auch noch so trivial und vermeintlich austauschbar eingerichtet. Mit der Sanierung wird diese fast an eine soziologische Versuchsanordnung erinnernde, gewachsene Heimat wieder verschwinden. Zumindest vorübergehend. Christian Holl, frei04-publizisti

Karl Johaentges | Die letzten Venezianer


Venedig ist millionenfach publiziert und jeder glaubt, die Stadt zu kennen - aber oft sind es nur die Klischees, die übrigbleiben. Während die Besucherzahl stetig steigt, sinkt die Zahl ihrer Bewohner dramatisch. Der globale Tourismus in Form von Tagestourismus und Kreuzfahrtschiffen gefährden Subtanz und Herz der geschichtsträchtigen Lagunenstadt. Wann ist eine Stadt eine Stadt und nicht nur Kulisse? Der ehemalige Architekt Karl Johaentges suchte in Zusammenarbeit mit der Venezianerin Luana Castelli mit der Kamera abseits von Markusplatz und Rialtobrücke dieses andere Venedig und hat sich in einem mehrjährigen Fotoprojekt auf das eher Unbekannte und die noch verbliebenen Bewohner konzentriert, gibt ihnen eine Stimme. Er suchte die Venezianer in der Weite der Lagune und versteckten Ecken der Sestières und zeichnet mit seinen Menschenportraits und stimmungsvollen Stadtbildern ein eindrucksvolles Bildermosaik Venedigs. Im Herbst 2014 erschien seine Arbeit als 400-seitiger Bildband im Verlag terra magica. Die Ausstellung zeigte eine Auswahl aus diesem Bildband.

Jürgen Pollak | 9.11.89 Berlin


Der 9. November 1989 markiert mit dem Fall der Mauer, die Deutschland seit 1961 trennte, ein epochales Ereignis in der deutschen wie in der Weltgeschichte. Der kalte Krieg war beendet und eine neue Epoche des Aufbruchs und der Freiheit, politisch und wirtschaftlich, begann. Der Kapitalismus hatte über den Kommunismus »gesiegt« , der US-amerikanische Politwissenschaftler Francis Fukuyama verkündete »Das Ende der Geschichte« und plötzlich schien es keine Grenzen mehr zu geben.
Jürgen Pollak war Zeitzeuge des 9. November 1989 und hielt die Ereignisse der Nacht in seinen Fotografien fest. Er dokumentierte den raschen Wandel des Berliner Stadtbildes mit dem Verschwinden der Mauer in nur einem Jahr, nachdem sie 28 Jahre lang die Stadt, das Land und die Menschen geprägt hatte.
Jürgen Pollak ist in Stuttgart geboren. Er studierte visuelle Kommunikation an der HdK Berlin. In den Jahren 2001 und 2002 lebte er in New York. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitet er als freier Fotograf in Stuttgart. 2011 zeigte er in der Galerie f75 seine Fotoserie »NYX« (New York at night) und die ebenfalls in New York entstandene Serie »nine eleven«. 2014 war er wiederum mit zwei Ausstellungen in der Galerie f75: »Stuttgart Nacht« (Juni/Juli) und »9.11.89 Berlin«.

mueller, gaida | Orte der Einkehr


Das Kloster Wettenhausen liegt im Landkreis Günzburg und wurde im 12. Jahrhundert gegründet.
Es ist ein bedeutendes Bau- und Kunstdenkmal. Die Decken der Innenräume sind
mit einzigartigen Stuck-Arbeiten aus unterschiedlichen Kunstepochen verziert. Seit 1865
leben Dominikanerinnen im Kloster Wettenhausen. Sie sind sich der kulturellen Bedeutung
des Klosters bewusst und möchten die Klosteranlage auch für nachfolgende Generationen
erhalten. Hierfür suchen sie ein nachhaltiges und umsetzbares Nutzungskonzept,
damit das Kloster mit sinnvoller und sozialer Verantwortung auch zukünftig bestehen
kann. Unterstützt werden sie vom Freundeskreis Kloster Wettenhausen e. V., der durch
ehrenamtliche Arbeit, Beratung und finanzielle Unterstützung das kulturelle und religiöse
Leben im Kloster fördert.
Seit ihrem ersten Besuch im Kloster Wettenhausen sind Verena Mueller und Manfred
Gaida von der Spiritualität des außergewöhnlichen Ortes fasziniert. In zahlreichen Gesprächen
mit den Ordensschwestern erfuhren sie vieles über die Geschichte und Geschichten
des Klosters. Sie erhielten Zugang zu allen Räumen und hatten damit die Möglichkeit, ein
Kloster, das sich wegen mangelnden »Nachwuchses« am Wendepunkt befindet, in einer
umfassenden, feinfühligen Schwarz-Weiß-Dokumentation zu porträtieren.
Verena Mueller und Manfred Gaida (BFF , DGPh) arbeiten seit mehr als zwanzig Jahren
als professionelle Kommunikationsdesigner. Neben der Gestaltung von Printmedien liegt
ein Schwerpunkt ihrer Arbeit im Bereich der konzeptionellen Fotografie. Sie arbeiten mit
Vorliebe Schwarzweiß – sowohl mit digitalen als auch analogen Systemen.

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